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4VIERTEL KUNST BEI WITTMANN: KLAUS MOSETTIG / 2006
eine kommunikative Ausstellungsreihe im Wittmann Schauraum seit 2003
section.a: Beratung, Konzept, KünstlerInnenauswahl und Projektmanagement

Nach drei Jahren positioniert sich die Reihe 4Viertel Kunst bei Wittmann neu, indem sie neben speziell für den Schauraum entwickelten Werken auch bestehende Arbeiten der ausgewählten Künstler_innen vorstellt. Besucher_innen haben so die Chance, sich mit der jeweiligen künstlerischen Position vertiefend auseinanderzusetzen.

Für Wittmann entwickelt Klaus Mosettig "Processual Minimalism", der im Laufe seiner Ausstellungsdauer einem permanenten Wandel unterworfen ist: Eine Kolonie von Waldameisen arbeitet in einer vom Künstler vorgegebenen Raumstruktur an einem Hügel, dessen Form durch Materialzufuhr, Licht und Temperatur beeinflussbar ist. Die Ameisen schlüpfen dabei in die Rolle von MitarbeiterInnen einer Bildhauerwerkstatt. Sie optimieren im zentralen Plexiglaskubus laufend ihre Wohnstruktur. Zentrale künstlerische Fragestellung ist dabei die Auseinandersetzung mit dem skulpturalen Werkbegriff und dem Spannungsfeld zwischen Form, Inhalt und Zeit. Kann Zeit Form und Inhalt beeinflussen? Wenn Zeit Skulptur bedingt, handelt es sich jeweils um neue, in ihrer Form veränderte Skulpturen oder wandelt sich immer ein und dieselbe Skulptur?

Klaus Mosettig, Processual Minimalism, Installation aus einem 5-teiligen Formikarium, Plakat, 2006


Klaus Mosettig, Enterprise – 2005/2006, Wandzeichnung mit 9 Leuchtkästen, 2006
All the Spirit of my Art 01 – 05, Mixed Media, 2006

Im hinteren Teil des Schauraumes stellt Mosettig frühere Arbeiten aus, wie beispielsweise die Wandarbeit "Enterprise". Dafür veredelt er Apfelbäume nach einem strengen Fünfjahresplan unter unter dem Motto „Die Übergänge sind beim leidenschaftlichen Gleichgewicht, was die Dübel und Verzapfungen bei einem Fachwerk sind”. Begonnen hat seine Auseinandersetzung im Sommer 2001 mit der Pflanzung von acht Bäumen, die er in Folge permanent mit anderen Sorten veredelt. Seitdem hält er jedes Entwicklungsstadium saisonal in Dokumentationsfotografien und Zustandszeichnungen fest. Heute stehen abgestorbene, geschälte Baumfragmente neben frisch austreibenden Ästen.
Die Apfelernte von 2005 verarbeitet der Künstler schließlich zu Schnaps, zu seiner „Essenz der künstlerischen Arbeit der letzten fünf Jahre”. Durch den Kreislauf von Wachsen und Absterben, von Blüte, Frucht und Schnaps, entsteht eine Skulptur, die sich durch Zeit definiert. Zentrale Frage ist, ob die unterschiedlichen Pflanzenstadien den Entstehungsphasen einer Skulptur entsprechen können oder ob jedes dieser Stadien eine eigene Skulptur darstellt.


Auftraggeber: Wittmann Möbelwerkstätten
Künstler: Klaus Mosettig
Grafik: section.d
Text Leporello: Thomas Trummer
Webpage: YAMA – Advanced Media Productions (Technik), Albert Exergian (Grafikdesign)
Ausstellung: Wittmann Schauraum, Wien / 17. Mai bis 9. September 2006  

© Fotos: Klaus Mosettig, Franz Schachinger