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4VIERTEL KUNST BEI WITTMANN / 2005
eine kommunikative Ausstellungsreihe im Wittmann Schauraum seit 2003
section.a: Beratung, Konzept, Künstler_innenauswahl und Projektmanagement

4Viertel Kunst bei Wittmann geht 2005 bereits in sein drittes Jahr. Die Reihe beginnt mit einer Fassadengestaltung von Adriana Czernin. Für das zweite Viertel bezieht sich die Künstlerin Manuela Mark auf die Besonderheiten des Wittmann Schauraums. Gerhard Treml rundet das dritte Viertel mit einer Installation im Außenraum ab. Das abschließende vierte Viertel thematisiert im Rahmen einer Podiumsdiskussion, wie sich Kooperationen von Wirtschaft und Kunst medial positionieren lassen.

Adriana Czernin, Schatten einer Oberfläche, 2005, Klebefolie – Fassadengestaltung

Adriana Czernins Fassadengestaltung stellt eine überdimensionale, in Schwarz gehaltene Scherenschnittarbeit dar. Irisblüten überziehen die gesamte Länge der Glasfassade des Wittmann Schauraums. Für diese Bildkonzeption teilt die Künstlerin eine Irisblüte in zwei Teile, in eine Positiv- und eine Negativform, die sie zu einem riesigen ornamentalen wie camouflageähnlichen Muster kombiniert. Dafür vergrößert Czernin die Blume auf beinahe fünf Meter. Dabei erfahren deren feingliedrige Umrisse durch die Vergrößerung eine sinnliche Steigerung bis ins Bedrohliche. Aus einiger Distanz erkennen Betrachter_innen noch klar die Strukturen der Blüten, Blätter und Stängel, die das Gebäude zu überwachsen scheinen. Aus der Nähe betrachtet verschlingen sich die Pflanzen zu ornamentalen Landkarten, die das Leben auf der Straße von der bühnenartig inszenierten Wohnwelt im Schauraum trennen.

Manuela Mark, OBEN/UNTEN, 2005, Videoinstallation

In ihrer ortsspezifischer Installation fokussiert Manuela Mark auf die ausgestellten Sitzmöbel im Wechselspiel mit dem stetig fließenden Strom von Autos, der den Schauraum am Wiener Karlsplatz umgibt. Diese spezielle Situation steht für Mark sinnbildlich für den kulturgeschichtlichen Zusammenhang der Sedierung und der gleichzeitigen Beschleunigung des Körpers – vorzugsweise des Blickes. Die Künstlerin integriert die realen Objekte Rad und Stuhl als inhaltliche Bezugs- und Ausgangspunkte in ihre Installation, wobei das Rad als elementares Symbol für Bewegung steht, das Mark auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Stuhl kombiniert. Der Stuhl suggeriert in diesem Kontext Konzentration und Kontemplation, aber auch Lethargie und Unbeweglichkeit. In der Kombination beider Objektwelten im Medium des Filmes relativiert die Künstlerin die Eindeutigkeit gewohnter räumlicher Wahrnehmungsvorstellungen und lässt die beiden Formen miteinander in Beziehung treten.

Gerhard Treml, chaircraft®, 2005
Installation aus einem Gartensessel, Wetterballons und einer Heliumflasche, Skizzenbuch

Gerhard Tremls museal anmutende Installation chaircraft® vor dem Wittmann Schauraum basiert auf der wahren, wenn auch unglaublich klingenden Geschichte eines amerikanischen Lastwagenfahrers in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Larry Walters überwindet 1982 die Begrenztheit seines tristen  Vorstadtdaseins in Los Angeleses, indem er sich mit seinem Gartensessel und 43 mit Helium gefüllten Wetterballons für einige Stunden auf über 4.000 m Höhe erhebt. Mit dieser Geschichte spielt Treml auf die Sehnsucht nach Raumerweiterung als einem amerikanischen Mythos des unbegrenzten Westens an, die zugleich symbolisch für die Erweiterung des Wahrnehmungsraumes steht. In einem dazu erschienenen Skizzenbuch zeichnet der Künstler diese Begebenheit erzählerisch nach und verhandelt die Beziehung neu, die unsere Realitätsvorstellung zum Imaginären hat.


Auftraggeber: Wittmann Möbelwerkstätten
Künstler_innen: Adriana Czernin, Manuela Mark, Gerhard Treml
PR: Beatrix Roidinger / juicy pool
Grafik: section.d
Texte Leporello: Friedrich Tietjen, Sabine B. Vogel, David Komary
Webpage: YAMA – Advanced Media Productions (Technik), Albert Exergian (Grafikdesign)
Ausstellung: Wittmann Schauraum, Wien /  6. April bis 15. November 2005

© Fotos: Czernin,  Mark – G. Ecker,  Treml – M. Nagl