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4VIERTEL KUNST BEI WITTMANN / 2004
eine kommunikative Ausstellungsreihe im Wittmann Schauraum seit 2003
section.a: Beratung, Konzept, Künstler_innenauswahl und Projektmanagement

2004 findet die Reihe 4Viertel Kunst bei Wittmann ihre Fortsetzung. Sie hat sich durch ihr stringentes Programm einen anerkannten Platz in der Wiener Kunstszene erobert. Auch in diesem Jahr werden junge österreichische Nachwuchskünstler_innen im Grenzbereich Kunst und Design vorgestellt.

Den Anfang macht Christian Hutzinger (* 1966) mit einer Fassadengestaltung am Getreidemarkt. Das zweite Viertel zeigt eine poetische Landschaft mit dem Titel „Wie hoch ist der Tisch?“ von Constantin Luser (* 1976). Das dritte Viertel bildet eine Installation von David Moises vor dem Schauraum, die den Erfindermythos paraphrasiert. Alle Arbeiten sind bis zur Round-Table-Diskussion am 9. November ("Kooperationen zwischen Kunst, Design und Wirtschaft") im Schauraum der Wittmann Möbelwerkstätten am Karlsplatz zu sehen. Zu jedem Viertel erscheint ein Leporello.

Christian Hutzinger, 4Viertel Kunst bei Wittmann, 2004, Klebefolie – Fassadengestaltung

Christian Hutzinger orientiert sich für seine Fassadengestaltung an zwei Parametern: am Titel der Ausstellung und am Ausstellungsort selbst. Hutzinger zerlegt den Text „Christian Hutzinger 4Viertel Kunst bei Wittmann“ in seine 42 Einzelteile und schreibt jeden Buchstaben und die Ziffer 4 in einen Kreis. Die 42 Buchstabenkreise verteilt er durcheinandergemischt über die gesamte Länge der gläsernen Schauraumfassade. In der Dekonstruktion und Neuzusammenstellung des Titels ist der ursprüngliche Inhalt der Botschaft verloren gegangen. Jetzt ergeben sich im zufälligen Nebeneinander einzelner Buchstaben neue Assoziationspunkte, die in ihrer Dimension und ihrer Signalwirkung die Außenhaut des Schauraumes in Besitz nehmen.

Constantin Luser, Wie hoch ist der Tisch?, 2004, Multimedia-Installation

Dem Künstler Constantin Luser dienen Fundstücke aus den Produktionsstätten Wittmanns als Ausgangspunkt seiner installativen Arbeit. Während eines mehrtägigen Aufenthalts in den Werkstätten sammelt er schwarze Lederreste und weiße Federkerne, Baumwollvliesstücke und verschiedene Knöpfe, Naturkautschukteile, Stecknadeln und Schnittschablonen. Luser entwickelt aus diesem Ausschuss, der außerhalb der Produktion nicht sichtbar ist, eine imaginierte Landschaft voller Assoziationen, Pläne und Geschichten, voller Bilder, Texte, Namen und Orte, einem Weltentwurf gleich. Dabei vereint der Künstler, was getrennt wurde, setzt der Wittmann’schen Möbelperfektion das Unperfekte gegenüber und sucht im Organischen den animalischen Ursprung.

David Moises, Garagen-Start-up, 2004, Installation

David Moises vereint in seiner Außenrauminstallation die Ideenwerkstatt Garage als einen amerikanischen Mythos des Do-it-yourself-Erfolgsmodells à la Apple, Walt Disney oder Hewlett-Packard mit der Sehnsucht nach Ruhm, Triumph und Anerkennung. Drei Garagentore, in Anspielung auf die klassische Bürotür der Vorstandsebene auf ihren Innenseiten mit edler Lederverkleidung gepolstert, ergeben eine pavillonartige architektonische Struktur. Dieser Raum suggeriert in seinem Arrangement den direkten Weg von der genialen Idee im Schuppen in die Chefetage eines erfolgreichen Weltkonzerns. Moises bereichert in der künstlerischen Aneignung und Umarbeitung vertraute Alltagsgegenstände wie ein Garagentor um geheime Wunschvorstellungen, um persönliche Geschichten, um die Dimension des Besonderen in einer Welt der Massenproduktion.


Auftraggeber: Wittmann Möbelwerkstätten
Künstler: Christian Hutzinger, Constantin Luser, David Moises
PR: Ana Berlin
Grafik: section.d
Texte Leporello: Patrizia Grzonka, Daniel Baumann, Thomas Macho
Webpage: YAMA – Advanced Media Productions (Technik), Albert Exergian (Grafikdesign)
Ausstellung: Wittmann Schauraum, Wien / 17. März bis 9. November 2004 

© Fotos: Hutzinger – W. Thaler, Luser – W. Feiersinger, Moises – G. Ecker